Oh, ein Skeptiker?

 

Ich halte mich grundsätzlich für skeptisch. Ich versuche nicht gleich einem Impuls folgend ein Urteil zu haben, ich nehme selten einen Umstand als gegeben an. Diese Grundhaltung möchte ich allerdings lieber als kritisch bezeichnen und nicht als skeptisch, nicht etwa weil die zweifelnde, ständig hinterfragende Haltung das nicht hergäbe, sondern weil der Begriff ‘Skeptiker’ verbrannt ist. Die sich selbst Skeptiker nennenden Netzwerker, die eher Glaubenskriegern gleich missionarisch anderen vorschreiben wollen was diese als richtig oder falsch zu akzeptieren haben, die vorgeben die Menschen vor Scharlatanerie und schlechten Einflüssen mit ihnen genehmen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Statistiken schützen zu wollen. Sie scheinen unfähig sich selbst und ihr Tun zu hinterfragen.

Das sie oftmals eine Speerspitze für die Interessen von Pharmazie, Gentechnik und anderen Forschungsbereichen in Hinblick auf die Zukunft, den technischen bzw. technologischen Fortschritt sind würde ich für vertretbar halten wenn denn das Etikett passen würde. Das heißt, daß die dort beziehbaren Informationen durchaus gut sind und Risiken teilweise ebensogut beleuchtet werden. Allerdings drängt sich der Eindruck auf, daß bei diesen Skeptikern technologischer Fortschritt im Grunde immer gut ist für die Menschheit und Ethik wie Moral, Empathie wie Individualismus kaum eine Rolle spielen dürfen. Damit rücken sie sich eher in die Rolle von Technokratievertretern der Pharma- und Biotechindustrien, welche heute noch als Lobby bezeichnet werden. Soweit geht das auch in Ordnung, mit entsprechender Etikettierung. Aber leider nennen sie sich ja selbst Skeptiker und machen sich damit gleich den Rattenfängern die sie selber vorgeben bloßstellen zu wollen. Dabei geht es oft genug in Richtung gezielter Diskreditierung einzelner Personen oder ganzer Gruppen, einem doch recht starren Denkschema folgend und oftmals in Totschlagsargumenten endend. Das ist dem Skeptizismus unwürdig.

Diese Gruppierung wirkt natürlich interessant auf all diejenigen die sich für Themen innerhalb der Pharmazie und der Biotechnologie interessieren und die sich informieren wollen zu Themen wie Homöopathie usw., deshalb auch die Assoziation mit dem Rattenfängervorwurf weil dieses dazu führt, daß oben angesprochene Diskreditierung und Aburteilung von nicht genehmen Personen und Thematiken weitgehend unreflektiert von Lesern übernommen wird – mit der Folge, daß das selber Nachdenken vernachlässigt wird und die von den ‘Skeptikern’ verbreiteten Thesen und Meinungen in Foren und Diskussionen als Wahrheit Eingang findet.

Und es ist kein besonders lokales Problem; Dadurch, daß ich mich in 3 Sprachzonen weitgehend zuhause fühle kann ich auch feststellen das ähnliche Bewegungen in vielen der besuchten Länder vorhanden sind, wenngleich mit unterschiedlich starker Ausprägung und Einfluss. So sind die Österreicher offener und kritischer als die entsprechenden Pendants in Deutschland oder den Niederlanden, währenddessen die Angelsachsen mehr Ausprägungen kennen und damit von sehr industrienah bis wirklich kritisch ein breiteres Spektrum haben. Bekannter und besser ausgestattet sind da dann allerdings die industrienahen, nicht so skeptischen Skeptizisten. Die Unterschiede in Bezug auf die Selbstkritik und im Umgang mit kritischen Stimmen von Außen sind sehr ähnlich zu denen in Deutschland oder den Niederlanden.

Es würde mich jetzt nicht besonders überraschen, wenn diese Skeptiker und die unlängst noch angesprochenen Shills ein paar Schnittmengen haben.

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