Meinung und oder Bildung

Ist es zu viel verlangt oder zu früh um von uns eine autarke Medienkompetenz zu verlangen? Ist es zu viel gefragt um sich persönlich eine differenzierte Meinung zu bilden und nicht bloß einer indoktrinierten schwarz/weiß-Meldung hinterherzulaufen? Ich denke von nicht, auch wenn für viele eine einfache – oder im besten Fall zwar vorgefertigte aber recht solide – aufgebaute Meinung ausreichend ist.

Dieses Zeitalter hat viele Vorteile. Man kommt sehr schnell an neue Informationen und das auch weltweit. Die Nachrichtenknoten sind vernetzt so das man auch in Südafrika in der Lage ist um aktuelle Nachrichten aus Australien, Brasilien oder Island praktisch in Echtzeit zu erhalten. Man kann Nachrichten von BBC, CNBC, ARD, RT lesen, man kann endlos in individuellen oder undezent abhängige Blogs verweilen, man kann hanebüchene Theorien lesen und dann darüber staunen das es so viele gibt die Inhalte ohne große Prüfung einfach als Fakt akzeptieren. Man kann feststellen das die Crowd durchaus Intelligenz hat und das Journalistik nicht deckungsgleich mit Nachrichten in den seriös geglaubten Medien ist. Wenn man zu einer Thematik tiefer gräbt trifft man auf durchaus brauchbare Informationen aus Bereichen die nicht vertrauenerweckend sind und auf fehlerhafte (weil z.B. ausschließlich einseitig) oder sogar deutlich falsche Berichte aus eigentlich betraubaren Quellen. Immer wieder trifft man natürlich auf sogenannte Complotter, wobei das ungesehene Abtun als Unsinn nicht in allen Fällen gerechtfertigt ist. Vieles was uns heute offiziell wie inoffiziell zugänglich ist ist oft eine Komplott-Theorie, das heißt ohne handfeste Beweise vorgetragene Mutmaßungen – und neu ist das Thema der Verschwörungstheorien spätestens seit Jack The Ripper auch nicht mehr. Ob sich diese dann bestätigen oder nicht liegt oftmals in den Händen der Historiker; jeder sollte sich zumindest schon mal mit der Arbeitsweise von Historikern vertraut gemacht haben oder es zumindest nachholen. Schaden kann es nicht.

Es fällt auf, dass in den letzten 2 Jahrzehnten sehr schnell Themen mit der Bezeichnung der Verschwörungstheorie in das Reich der Aluhüte verwiesen wurden, wobei natürlich angemerkt werden muss das die Anzahl der Theorien mit dem Wachstum der neuen Medien auch sprunghaft angestiegen ist. Das Abklassifizieren war in einigen Fällen zu voreilig, aus der Theorie wurde ein Faktum – hier ist zum Beispiel Gladio zu erwähnen und Deutschlands geheime Absprachen mit Siegermächten die über dem Grundgesetz stehen. Auch entpuppten sich einige offizielle Nachrichten der letzten Jahrzehnte, zum Beispiel zum Lockerbie-Attentat und zu den Massenvernichtungswaffen des Irak ab ca. 2001 als zweifelhafte wenn nicht gar widerlegte Verschwörungstheorien. Eine widerlegte Theorie ist falsch und sollte entsprechende Konsequenzen für den Verbreiter der Theorie haben – zumindest bis die Widerlegung widerlegt wurde.

Das Firmen das Internet als günstige und schnelle Art für Werbung entdeckt haben und neben Adserve und anderen Diensten auch Gebrauch mach(t)en von Astroturfing, PR-Agenturen und Shills überrascht wohl niemanden. Zu Shills und Trollen gibt es in Kürze noch einen Nachschlag weil sich das offensichtlich weder auf Länder wie China, Nord-Korea und Russland, noch auf politische Themen reduzieren lässt. Die Existenz dieser Art der Informationskanalisierung ist nicht neu, wird aber offensichtlich zunehmend gerade von ‚unserer‘ angeblich freien Welt benutzt. Aus dem inoffiziellen Verschwörungstheoretischen Bereich kommt ursprünglich auch, das die Organisationen rund um die transatlantische Partnerschaft eher ganz eigenen Interessen dienen als einer bilateralen Partnerschaft. Die durch die fragwürdige Berichterstattung der letzten Monate aufkommende Meinung über die angeblichen Qualitätsmedien hat hier ein paar Zusammenhänge in die Öffentlichkeit gebracht wie nicht zuletzt die Zuschauer von der Satire(?)-Sendung ‚Die Anstalt‘ erfahren konnten. Zweifel an unabhängigen Journalismus gibt es mindestens seit John Swinton und die schlichte Wahrheit ist wohl, daß zur Zeit die Medienberichte knallharten Sachzwängen und Ideologien unterworfen sind. Die traurige Folgerung ist daher wohl, daß Journalisten der Zeit, der FAZ, des Spiegels usw. innerhalb der Qualitätsmedien gar nicht offen und ausgeglichen berichten können selbst wenn sie es wollten. Daher ist es wahrscheinlich, daß ein Teil der Journalisten unter Pseudonym bzw. anonym in Blogs und auf anderem Wege ihre eigentliche journalistische Aufgabe erfüllen, sich aber offiziell Systemkonform verhalten.

Für die Qualitätsmedien selbst sollte dann gelten das sie geschenkt noch zu teuer sind – selbst ‚Gratis‘ online generiert clicks und damit Werbeeinnahmen.

Ein gesunder Zweifel in alle Richtungen ist also angebracht, auch wenn das zwangsläufig bedeutet das man eine erste Meinungsbildung nur sehr zurückhaltend ausgestalten kann und wesentlich mehr Aufwand in eine solidere, wenn nicht sogar fundierte, Meinung investiert werden muss.

Sind wir wieder in einem Zeitalter der Propaganda? Es scheint zumindest als ob Medien zur Zeit verstärkt auf Meinungsmanipulation ausgerichtet sind statt auf Information. Dessen sollte man sich zumindest bewußt sein und sich als Gruppe oder als Individuum mit einer schnell gefassten Meinung etwas zurückhalten bevor man einseitig Partei ergreift.

Das der Blick zu Cui Bono nicht immer ausreichend ist als Kriterium sollte deutlich sein, ausschließen sollte man es aber nie. Wer Zugriff auf verschiedenste Nachrichten hat, am liebsten Länderübergreifend,  sollte davon Gebrauch machen. Tauchen in verschiedenen Blättern ähnliche oder gar gleichlautende Artikel auf und ist die Quelle ein der entsprechenden Zeitung zuzuordnender Journalist (also mehrere insgesamt) dann kommt die Nachricht mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem Netzwerk wie der transatlantischen Partnerschaft, der OSI /OSF usw. NGO’s sind hierbei sehr oft als Quelle für die Berichte auszumachen. Eine andere Ursache für identische Berichte liegt an den Presseagenturen wie z.B. DPA, AFP, Reuters, die in der Regel auch als Quelle angegeben sind . Eine Häufung gleichlautender Meldungen ist heutzutage kein Garant mehr für neutrale Berichterstattung – es scheint eher zu einem validen Ausschlußkriterium zu werden. Noch gibt es relativ offene Foren bei einigen Nachrichtenquellen, so daß man oftmals zusätzliche Informationen auch zur Vertrauenswürdigkeit der Berichte bekommen kann.

Zum Schluß, damit ich mir meinen Aluhut mit Fühlern auch redlich verdiene, noch eine kleine Theorie und Aufgabe: Die Farbenrevolutionen in den Nordafrikanischen/Arabischen Ländern wie auch in der Ukraine sind durch NGO’s angestoßen und mithilfe von plötzlich aus dem Nichts entstandenen Blogs und anderen New- bzw. Social-Media-Kanälen massiv unterstützt und gesteuert worden. Widerlegen Sie mich bitte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s